Kap Verde


Kap Verde
1Kạp Vẹr|de, das; – –:
Westspitze Afrikas.
2Kạp Vẹr|de; - -s:
Staat auf den Kapverdischen Inseln.

* * *

I
Kạp Vẹrde
 
[portugiesisch verde »grün«], französisch Cạp Vert [-vɛːr], Halbinsel an der Küste Senegals, bei Dakar, mit dem westlichsten Punkt des afrikanischen Festlands (17º 33' w. L.). Am Nordende der internationale Flughafen Yoff.
 
II
Kạp Vẹrde,
 
 
 
Fläche: 4 033 km2
 
Einwohner: (2000) 437 000
 
Hauptstadt: Praia
 
Amtssprache: Portugiesisch
 
Nationalfeiertag: 5. 7.
 
Währung: 1 Kap-Verde-Escudo (KEsc) = 100 Centavo (CTS)
 
Zeitzone: 900 Praia = 1200 MEZ
 
amtlich portugiesisch Repụ́blica de Cabo Verde [-'kaβu 'vɛrde], deutsch Republik Kap Verde, Inselstaat vor der Westküste Afrikas, auf den Kapverdischen Inseln (Kapverden), 4 033 km2, (2000) 437 000 Einwohner; Hauptstadt: Praia auf São Tiago; Amtssprache: Portugiesisch, Umgangssprache Kreolisch (»Crioulo«), ein lautlich verändertes Portugiesisch mit afrikanischen u. a. Sprachelementen; Währung: 1 Kap-Verde-Escudo (KEsc) = 100 Centavo (CTS). Uhrzeit: 900 Praia = 1200 MEZ.
 
 Staat und Recht:
 
 
Nach der neuen Verfassung vom 25. 9. 1992 ist Kap Verde eine parlamentarische Republik mit Mehrparteiensystem. Als Staatsoberhaupt mit weitgehend repräsentativen Aufgaben fungiert der auf fünf Jahre direkt gewählte Präsident Legislativorgan ist die Nationalversammlung (72 Abgeordnete, für fünf Jahre gewählt). Die Exekutive liegt bei der Regierung unter Vorsitz des vom Parlament gewählten Premierministers.
 
Parteien:
 
Im September 1990 wurde ein plurales Parteiensystem eingeführt, in dem v. a. der Movimento para a Democracia (MpD) und die bisherige Einheitspartei Partido Africano da Independência de Cabo Verde (PAICV) hervortreten.
 
 
Das Wappen (seit 1992) stellt ein blaues Dreieck mit gelber Fackel und roter Flamme dar, das vom Landesnamen umgeben wird. Unter dem Dreieck befinden sich je drei blaue und weiße Streifen. Dies alles wird von einem doppelten blauen Kreis umfasst, an dessen beiden Seiten sich je fünf goldene Sterne befinden und dessen oberste Stelle von einem goldenen Senkblei durchstoßen wird. Die untere Kreishälfte wird von zwei grünen Palmzweigen, dazwischen zwei goldene Kettenglieder, umrahmt.
 
Nationalfeiertage:
 
Nationalfeiertag ist der 5. 7., zur Erinnerung an die Erlangung der Unabhängigkeit 1975.
 
 
Es bestehen 14 Bezirke.
 
 
Außer einem Höchsten Gericht, dessen Richter vom Präsidenten bestimmt werden, gibt es ein System von Volksgerichten auf lokaler Ebene.
 
 
Den Kern der insgesamt 1 200 Mann umfassenden Wehrpflichtigenarmee bildet ein Infanteriebataillon. Hinzu kommen einige kleinere Unterstützungseinheiten sowie zahlenmäßig geringe See- und Luftstreitkräfte. Die Ausrüstung besteht im Wesentlichen aus leichten Waffen, einigen Kleinen Kampfschiffen und drei Transportflugzeugen.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Die Kapverd. Inseln liegen im Atlantischen Ozean, 600 km vom Kap Verde (Senegal) entfernt, nach dem sie benannt sind. Die zehn größeren Inseln (neun bewohnt) und fünf Eilande sind annähernd in Form eines etwa 250 km langen, nach Westen geöffneten Hufeisens angeordnet. Sie sind vulkanischen Ursprungs und überwiegend aus Basalten und Phonolithen aufgebaut. Aktiven Vulkanismus gibt es auf Fogo, hier ist der Pico de Cano (mit 2 829 m über dem Meeresspiegel die höchste Erhebung der Inselgruppe) nach 44 Jahren seit 1995 wieder tätig. Auf den östlichen Inseln sind größere Flächen mit Dünensand oder Salzsümpfen bedeckt, auf den westlichen Inseln finden sich mehr als 100 m hohe Steilküsten. Die meisten Inseln werden von tief eingeschnittenen Tälern durchzogen. Ihrer Lage zum vorherrschenden Nordostpassat entsprechend werden die Inseln in eine Barlavento (Inseln über dem Winde) genannte nördliche Gruppe und eine Sotavento (Inseln unter dem Winde) bezeichnete südliche Gruppe unterteilt.
 
 
Den größten Teil des Jahres über liegen die Inseln im Einflussbereich des trockenen Nordostpassats, nur in der Zeit von Ende Juli bis Anfang November bringen südliche, feuchtwarme Luftmassen Regen: in den Küstengebieten um 200 mm Jahresniederschlag, in den hohen Lagen bis über 1 000 mm, hier sind die Luvseiten fast ständig nebelumhüllt. Die Jahresmitteltemperatur beträgt bei Praia 24,8 ºC, die durchschnittliche relative Luftfeuchtigkeit 60 %.
 
 
Die Bevölkerung der zur Zeit ihrer Entdeckung unbewohnten Inseln ist im Wesentlichen aus einer Vermischung weißer, v. a. aus Portugal stammender Zuwanderer und überwiegend aus den Guinealändern (bis ins 19. Jahrhundert) verschleppter schwarzer Sklaven entstanden. Sie besteht aus 71 % Mischlingen (Kreolen), 28 % Schwarzen und 1 % Weißen. Fast die Hälfte der Einwohner lebt auf São Tiago mit der Hauptstadt Praia (1990: 61 600 Einwohner); zweitgrößte Stadt, wichtigster Hafen und Wirtschaftszentrum ist Mindelo auf São Vicente (47 100 Einwohner). Etwa 600 000 Kapverdier leben im Ausland.
 
 
Es besteht Religionsfreiheit. Rd. 96 % der Bevölkerung gehören der katholischen Kirche (exemtes Bistum Santiago de Cabo Verde [Bischofssitz: Praia]) an, etwa 3 % der anglikanischen Kirche (Provinz Westafrika) und verschiedenen protestantischen Kirchen und Gemeinschaften (Church of the Nazarene, Adventisten u. a.). Es gibt kleine Gemeinschaften der Zeugen Jehovas und der Mormonen.
 
 
Es besteht Schulpflicht für die sechsjährige Grundschule. Dieser folgt eine in zwei Blöcke unterteilte weiterbildende Schule (zwei beziehungsweise drei Jahre). Die Analphabetenquote beträgt 29 %. Eine Universität gibt es nicht (drei Lehrerbildungsanstalten, eine Gewerbeschule).
 
 
Presse: Das 1993 gegründete und zweimal wöchentlich erscheinende »Novo Jornal Cabo Verde« ist größtes Printmedium des Landes. Die PAICV publiziert »A Semana« und »Unidade e Luta«. Daneben werden u. a. vierteljährlich veröffentlicht »Económica« und die Kulturzeitschrift »Raizes« sowie wöchentlich die katholische Zeitung »Terra Nova«. - Nachrichtenagentur: Die offizielle Nachrichtenagentur ist »Cabopress« (1991 gegründet). Rundfunk: Gesendet wird in portugiesischer und kreolischer Sprache. Neben dem Radiosender »Rádio Nacional de Cabo Verde« (RNCV) existiert die Fernsehanstalt »Televisão Nacional de Cabo Verde« (TNCV), die täglich acht Stunden Programme ausstrahlt.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Mit einem Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner von (1994) 910 US-$ gehört Kap Verde zu den Entwicklungsländern mit mittlerem Einkommen. Fast 50 % des Staatshaushalts werden durch ausländische Entwicklungshilfe finanziert. Weitere 15 % entfallen auf Überweisungen der im Ausland lebenden Kapverdier.
 
 
Trotz stark schwankender Niederschläge bis hin zu mehrjährigen Trockenperioden fast ohne Regen hat der Agrarbereich Bedeutung, in dem 41 % der Erwerbstätigen arbeiten. Für den Eigenverbrauch werden Mais, Bohnen, Bataten, Kokosnüsse und Erdnüsse angebaut, für den Export Bananen, Kaffee und Zuckerrohr. 85 % des inländischen Bedarfs müssen dennoch importiert werden, v. a. Getreide, da nur 16 % der Gesamtfläche landwirtschaftlich genutzt werden können.
 
 
Die Fischerei ist nach wie vor bedeutendster Wirtschaftszweig, wenngleich die Fangmenge rückläufig ist (1993: 9 000 t). Gefangen werden v. a. Hummer und Thunfisch.
 
 
Fisch und Zuckerrohr sind die wichtigsten Grundstoffe für das verarbeitende Gewerbe. Zudem gibt es etwas Leichtindustrie (Textilfabriken, Getränkeindustrie) und Zementherstellung. Vorwiegend für den Export werden Salz und vulkanisches Gestein (Puzzolan) abgebaut.
 
 
Touristische Anziehungspunkte sind die vulkanisch geprägten Bergregionen v. a. auf Fogo und weite Sandstrände auf den östlichen Inseln. Der Ausbau des Tourismus ist eines der Hauptziele staatlicher Entwicklungspolitik.
 
 
Die Handelsbilanz ist seit Jahren stark negativ (1992: Einfuhr 180 Mio. US-$, Ausfuhr 5 Mio. US-$). Wichtigste Ausfuhrgüter sind Fischprodukte (54 % der Gesamtausfuhr), Bananen und Puzzolan. Handelspartner sind v. a. die ehemalige Kolonialmacht Portugal und die Niederlande.
 
Verkehr:
 
Das Straßennetz hat eine Länge von 2 250 km. Die größten Seehäfen sind Mindelo und Porto Grande auf São Vicente. Der internationale Flughafen Amilcar Cabral auf Sal dient als Zwischenlandungsplatz auf der Route Europa-Südamerika. Auf den anderen großen Inseln gibt es weitere Flugplätze.
 
 
1455/56 wurden die unbewohnten Kapverd. Inseln von Portugiesen im Dienst Heinrichs des Seefahrers entdeckt und annektiert. In der Folge vermischten sich Portugiesen mit Sklaven aus Afrika; erst 1876 hob Portugal die Sklaverei auf. 1951 erhielt die Inselgruppe den Status einer Überseeprovinz. Kapverdier, insbesondere A. Cabral, spielten wichtige Rollen im antikolonialen Kampf, v. a. in Guinea-Bissau; auf den Inseln selbst kam es bis zur Revolution in Portugal im April 1974 nicht zu offenem Protest; im Dezember 1974 erhielten sie Autonomie. Bei den Wahlen am 30. 6. 1975 erhielt die »Afrikanische Unabhängigkeitspartei für Guinea und Kap Verde« (portugiesische Abkürzung PAIGC) 92 % der Stimmen; am 5. 7. 1975 proklamierte Kap Verde die Unabhängigkeit. Der Nachfolger Cabrals als PAIGC-Führer, A. Pereira, wurde Staatspräsident (1981 und 1985 wieder gewählt).
 
Nachdem ein Putsch 1980 in Guinea-Bissau dort den politischen Einfluss kapverd. Politiker beseitigt hatte, nannte sich die herrschende Einheitspartei 1981 in »Afrikanische Unabhängigkeitspartei für Kap Verde« (portugiesische Abkürzung PAICV) um. Im Kontrast zur allein gültigen Ideologie des Marxismus-Leninismus war Kap Verde von Entwicklungshilfe der westlichen Industriestaaten abhängig und im Rahmen des Lomé-Abkommens in die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der EG integriert. Nach Einführung eines Mehrparteiensystems und der Abkehr vom Marxismus-Leninismus 1990 erhielt der als Sammlungsbewegung der bisherigen Opposition fungierende MpD bei den Parlamentswahlen vom 13. 1. 1991 sowie vom 17. 12. 1995 die Stimmenmehrheit; am 17. 2. 1991 wurde A. Mascarenhas Monteiro zum neuen Staatspräsidenten gewählt (1996 im Amt bestätigt). Der friedliche Machtwechsel wurde Ende 1991 durch Kommunalwahlen abgeschlossen. Bei Machtkämpfen innerhalb des regierenden MpD setzte sich 1994 eine moderate Liberalisierungs- und Privatisierungspolitik durch. Bei den Parlamentswahlen im Januar 2001 konnte die PAICV wieder die Mehrheit erringen, das Amt des Staatspräsidenten übernahm nach den Präsidentschaftswahlen vom Februar 2001 Pedro Pires (PAICV).
 
 
N. E. Cabral: Le moulin et le pilon. Les îles du Cap-Vert (Paris 1980);
 A. Carreira: The people of the Cape Verde Islands (a. d. Portugies., London 1982).
 

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Kap Verde; -s: Staat auf den Kapverdischen Inseln.
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Kạp Vẹr|de, das; - -: Westspitze Afrikas.

Universal-Lexikon. 2012.

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